· 

Nordkapp - Ein Offroad-Wildlife-Trip? Eine kleine Medienbericht-Analyse zum Lachen...


In den Online-Medien steht ja wirklich viel Blödsinn - ob KI-generiert oder von sogenannten Leserreportern verfasst. Meist muss man Artikel selber verifizieren. Längst sind die Zeiten vorbei, wo man der Presse noch glauben konnte. Ein Artikel hat uns jetzt aber wirklich köstlich amüsiert und wir haben etwas gemacht, dass wir sonst eigentlich nie tun. Wir mussten unseren Kommentar unter den Artikel setzen, weil wir selten so einen Mist gelesen haben.

 

Aber alles der Reihe nach. 


Es geht um einen Online-Zeitungsartikel auf www.nau.ch. Der Titel "Abenteuer Nordkap: Vom Gotthard ans Ende der Welt" ist uns natürlich sofort ins Auge gesprungen. Ein Bericht über die Strecke Schweiz - Nordkapp (Ja - in Norwegen bzw. am Nordkapp wird Nordkapp mit 2 P geschrieben, weshalb wir uns auch an diese Schreibweise halten), ist total unser Ding. Jedoch bereits der erste Satz "Das Nordkap ruft, doch ist Ihr Auto bereit für die Herausforderung?" liess uns stutzig werden. Von da an, haben wir während des Lesen des Textes nur noch laut gelacht. Hier einmal ein paar Auszüge aus diesem Artikel, von uns Norwegen-Fans kommentiert:

 

  • Schön ist schonmal, dass zwischen Winter und Mitternachtssonne unterschieden wird aber wirklich verstanden, scheint es, die Verfasserin des Textes, nicht zu haben. Gehen wir einmal davon aus, dass es um das Reiseziel Sommer geht. Es werden 3 Routen vorgestellt - Norwegen, Schweden, Finnland. Wir können natürlich nur Bezug auf die Route Norwegen nehmen.
  • "Ein Roadtrip ans Nordkap ist keine Kaffeefahrt, sondern eine Materialschlacht". Stimmt. Wobei wir mit Bobi nicht mehr oder weniger Material verbrauchen, wenn wir nach Spanien fahren. Man verbraucht Pneus und Diesel, ja. Aber bestimmt leidet ein Fahrzeug, auf der gut ausgebauten E6, nicht mehr oder weniger als auf anderen Strassen in Europa.
  • "Auf der Reise waren extreme Temperaturstürze und zahlreiche Unwägbarkeiten". Temperaturstürze? OK - das Wetter wechselt gerne mal von norwegisch super-sehr-schön zu nur sehr-schön oder einfach-schön, was in unserer Züger-Sprache soviel wie Regen bedeutet. Der Norden ist kühler - stimmt, das ist doch herrlich. Aber wir sind noch nie mit der Temperatur in Norwegen "gestürzt". Unwägbarkeiten? Die super ausgebauten norwegischen Strassennetze sollen unwägbar sein? Die Verfasserin des Textes war bestimmt noch nie selber in Norwegen unterwegs.
  • "Da Rentiere oft abrupt aus dem Wandrand auf die Fahrbahn treten...". Wir haben in Norwegen erst sehr sehr selten Rentiere am Waldrand gesehen. Aber zugegeben - bei den Birkenbüschen kann es schon vorkommen. Die meisten Rentiere leben, im Sommer, auf den kargen Hochebenen. Was hingegen gerne mal am Waldrand steht, sind die Könige des Nordens - die Elche. Da ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Aber wer rast denn auch im Urlaub, wie ein Rennfahrer, durch die Landschaft?
  • "Wer hier ohne präzisen Serviceplan startet, bleibt im norwegischen Nirgendwo liegen. Und ein technischer Defekt kann hier zur lebensgefährlichen Situation werden." Wir haben selten so gelacht, wie bei diesen beiden Sätzen! Wer kann sich noch an unsere Hubstützenpanne am Nordkapp erinnern? Die einzigen, die nicht wussten, wo das Nordkapp ist, war der TCS (analog ADAC). Die Dame vom norwegischen Pannendienst war am Telefon extrem freundlich. Tommi, unser Pannenretter, war in Windeseile bei uns am Nordkapp und hat uns Mitteleuropäern sogar ein bisschen mehr Gelassenheit beibringen können. Seine Aussage "One Problem first...". Ein Schritt nach dem andern. Wir haben selten einen freundlicheren und hilfsbereiteren Pannenhelfer erlebt. Noch einmal ein herzliches Dankeschön nach Honningsvåg, lieber Tommi. Wir haben uns nie in Lebensgefahr befunden *lach*. Ebenso war unser Kontakt mit Thord Paulsen, den Pannenretter aus der TV-Serie "Ice Road Rescue". Wir haben ihn erkannt, kurz mit ihm gesprochen und er meinte sofort, wenn ihr eine Panne habt, ruft an - ich rette euch. Wo sollte hier also, auf der normalen Route ans Nordkapp, auf der E6, Lebensgefahr bestehen?
  • "Planen Sie mindestens zwei Wochen ein, damit Sie nicht nur am Steuer sitzen". Korrekt! Wir hoffen aber, dass damit schon nur die Anreise ans Nordkapp gemeint ist? Hin und zurück schaffen dies nicht einmal wir in 2 Wochen und das will etwas heissen. Schliesslich sind wir wirklich als Langstreckenfahrer bekannt.
  • "Für die Strecke ist ein Allradantrieb fast obligatorisch..." So ein absoluter Quatsch! Noch einmal, die E6 ist besser ausgebaut als manche Strasse in der Schweiz und sie wird ständig unterhalten. Bobi hat zwar drei Achsen, ist aber bestimmt KEIN Allradfahrzeug und mit seinen, fast 9 Metern, auch nicht ganz so einfach zu fahren wie ein PKW. Trotzdem haben wir es schon 6x ans Nordkapp geschafft. Teilweise sogar, als noch Schnee auf der Strasse lag - also nicht im Juli / August.
  • "...Elektroautos in Lappland in jedem Fall eine sehr präzise Ladeplanung erfordern." Wir haben mittlerweile, nach gut 120'000 e-Auto-Kilometern, ein bisschen Ahnung von diesen Fahrzeugen und wie man das Laden planen muss. Wir haben noch nirgendwo ein so gut ausgebautes E-Ladestationen-Netz wie in Norwegen gesehen. Zumal da oben ja eigentlich nur noch E-Autos verkauft werden. Schon einmal etwas von der eNordkapp-Challenge gehört? Jedes Jahr werden, im Winter, Touren ans Nordkapp geplant. Wir haben schon persönlich mit dem Organisator darüber gesprochen. Unsere Werkstatt in Schmerikon, die Thomann Nutzfahrzeuge AG hat sogar schon mit e-Truck und e-Lieferwagen teilgenommen. Also bitte - da will uns doch jemand, in diesem Artikel, einen dicken Eisbären aufbinden - ach nein, die gibt es ja vielleicht auf Spitzbergen aber nicht in Norwegen.
  • "Auf tiefergelegte Sportwagen sollte selbsterklärend verzichtet werden, da die Schlaglöcher und Schotterpisten...". Ja klar, das letzte Stück von Honningsvåg bis ans Nordkapp weist vielleicht Schlaglöcher auf aber ganz sicher ist es keine Schotterpiste, liebe Verfasserin des Berichtes. Wir wiederholen uns gerne, die E6 und auch andere E-Strassen in Norwegen, sind super ausgebaut, teilweise sogar fast schon wie Autobahnen. Auch wenn wir immer Witze machen, dass man nur mit einem 4x4-WoMo ans Nordkapp kommt, ist das nur ein Running-Gag von uns Züger's und absoluter Blödsinn. Wir haben das Gegenteil mehrfach bewiesen. Und wisst Ihr was? Wir haben sogar schon Porsches und andere sportliche Fahrzeuge an den Nordkapp-Hallen stehen sehen.
  • "Ein Check-up der Bremsen und Reifen in Schweizer Werkstätten ist vor Abreise Pflicht". Ganz ehrlich? Vor jeder grossen Reise ist für uns ein Check-up Pflicht. Aber wie schon oben beschrieben, kann immer einmal etwas Unvorhergesehenes passieren und dann sind die norwegischen Pannenhelfer schnell mit Rat und Tat zur Stelle. Vielleicht sogar mit mehr Elan und Freude an der Arbeit, als die mitteleuropäischen Berufskollegen. Ebenso haben wir schon von der extremen Hilfsbereitschaft, von den Menschen, auch in den anderen Ländern von Skandinavien, gehört.
  • "Das grösste Risiko sind nicht die Strassen, sondern die unberechenbare Tierwelt. Rentiere laufen oft in Gruppen über die Fahrbahn und haben keinerlei Respekt vor Blechschäden". Sauerei, diese Respektlosigkeit aber auch *lach*! Wir sind die Gäste in Skandinavien und haben Urlaub. Wir können von unserem gestressten Alltag herunter kommen und müssen nicht durch die Gegend rasen. Ja, es kommt gerne einmal vor, dass eine Herde Rentiere über die Strasse geht, oder meterlang vor Deinem Fahrzeug hergehen. Und jetzt?! Vorausschauend fahren und das Tempo anpassen ist doch das oberste Gebot. Respektlos hingegen sind höchstens die Touristen, die in kürzester Zeit, ALLES gesehen haben wollen und dabei, den wunderschönen Elch am Wegrand übersehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Skandinavier sehr respektvoll mit den einheimischen Wildtieren umgehen. Dazu gehören nicht nur Elche und Rentiere, sondern auch Gänse, Schneehühner, Vielfrasse, Hasen und und und. Die Norweger bremsen einfach ab, schalten den Pannenblinker an, fahren langsam hinter den Rentieren her oder halten ganz an, bis sich die Tiere für eine Strassenseite entschieden haben und wieder in Ruhe grasen. Selbst kämpfenden Rentiermännchen wird die Zeit gegönnt, die sie eben brauchen, um ihren Zwist zu klären. 
  • "Wetterumschwünge können selbst im Sommer für Schneefall in den Höhenlagen sorgen. Sie müssen für alle Wetterlagen ausgerüstet sein, inklusive warmer Kleidung und Notfallproviant". Jetzt ist aber gut. Reden wir noch immer vom Sommer, also Juli / August in Norwegen? In all den Jahren, wo wir nun nach Norwegen reisen, haben wir nie Schnee im Sommer erlebt. Schon gar nicht so viel, dass wir warme Kleidung oder gar Notfallproviant gebraucht haben. Als kleine Info am Rande. Norwegen ist ein sehr zivilisiertes Land. Fast in jedem Dorf gibt es einen Laden, zumindest einen Tankstellenshop, wo man Lebensmittel besorgen kann. Es ist nicht eine unwegsame Wildnis. Auch wenn die Strecken länger sind und man über viele Kilometer einfach in die selbe Richtung fährt, ist man nicht im Nirgendwo. Menschen sind überall gegenwärtig und auf der direkten Strecke ans Nordkapp, ja - die E6, sieht man mindestens alle paar Kilometer auch wieder ein Fahrzeug, das einem entgegen kommt. 
  • "Die Abhängigkeit von Navigationssystemen kann fatal sein, wenn der Empfang in der Wildnis abbricht. Führen Sie immer eine physische Strassenkarte und ein Satellitentelefon für den Notfall mit". Der absolute Oberbrüller am ganzen Artikel! Kaum ein Land hat eine so gute Internet-/Telefonnetzabdeckung wie Norwegen. Selbst an den entlegensten Orten hatten wir immer Empfang. Auch hier wieder - die Route ans Nordkapp, die E6, ist nicht "Wildnis". Es gibt sozusagen nur 1 Strasse nach ganz oben, was bedeutet, dass man schlicht keine Karte braucht. Das Navi dient höchstens dazu, einem Auskunft zu geben, wie lange es noch dauert, bis man am Ziel ist. Und - kleine Info an die Verfasserin des Artikels: die Norweger haben tatsächlich Strassenschilder aufgestellt, die sehr gut lesbar sind. Was gar nicht geht, ist der Quatsch mit dem Satellitentelefon. Wie kommt man nur auf die Idee, so einen Müll zu schreiben? In Norwegen leben tatsächlich Menschen, die Helfen, wenn man in Not ist. Ein Satellitentelefon bringt Null Nutzen! Norwegen ist ein Land, auf dem europäischen Festland. Kein Dschungel, keine unendliche Tundra, kein Yeti-Schneegebiet und kein unendliches Waldgebiet aus einem Horrorfilm.
  • "Die Lofoten-Inseln...". Geht es hier immer noch um die direkte Strecke ans Nordkapp? Die Lofoten sind nicht auf der direkten Strecke ans Nordkapp, auch wenn die Landschaft dort super schön ist und ganz sicher einen Besuch wert ist.
  • "Die Stille am Nordkap-Plateau...". Allerspätestens hier merkt man, dass die Verfasserin vom Artikel keine Ahnung hat, wovon sie schreibt und wohl noch nie selber die Erfahrung gemacht hat. Vielerorts in Norwegen findet man die Stille, was wir auch so sehr an Norwegen lieben. Aber bestimmt findet man die Stille NIEMALS am Nordkapp. Da sind Touristenbusse, Wohnmobile, Autos, Motorräder, Fahrräder, Unmengen an Touristen, die nur ein Ziel vor Augen haben. Haken auf der To-do-Liste, schnell, laut, Kamera raus, Drohne in die Luft, Geschrei und Geschuppse. Nein - erst nach Honningsvåg findet man wieder Ruhe auf dem Rückweg aber bestimmt nicht auf dem Nordkapp-Plateau. 

Hier unser Kommentar zu diesem Artikel, welchen wir veröffentlicht haben: 

Wir haben uns göttlich über diesen Artikel amüsiert. Nach 6x Nordkapp mit dem Wohnmobil, alles auf dem Landweg, können wir mit voller Überzeugung sagen, dass kaum ein Satz in diesem Artikel korrekt ist. Wer die Ruhe sucht, ist am Nordkapp völlig falsch. Der Ort ist touristisch völlig überlaufen und das sagen wir als absolute Norwegen-Fans. Aus den Wäldern treten vielleicht die Könige des Nordens - die Elche. Die Rentiere sind in den waldlosen Regionen vertreten und meist schon von Weitem sichtbar. Die Route durch Norwegen ist ein Traum - unser Traum. Aber bestimmt kein Offroad-Wildlife-Trip.


Zum Glück scheinen wir nicht die Einzigen zu sein, die diesen Artikel als völligen Quatsch angesehen haben, denn andere Kommentare, sagen genau das Gleiche aus. Es wäre schön, wenn die Berufsgruppe Journalist wieder ein bisschen mehr Recherche betreiben würde, bevor so ein Müll geschrieben wird. Oder nein, vielleicht doch besser nicht, denn als Comedy war dieser Artikel einfach perfekt! Oder bezweckt er sogar, den Massentourismus abzuschrecken? So gesehen, wäre die journalistische Meisterleistung sogar hilfreich.