F - La Chêne - Eigentlich wollten wir schon am Montag, direkt nach der Arbeit, auf den Weg. Wir haben uns dann aber doch entschlossen, uns ein bisschen mehr Zeit zu lassen und uns erst am Dienstag, in aller Frühe, auf den Weg zu machen. Das Ziel unserer Weihnachtsreise ist wieder einmal Frankreich. Mehr als Meer haben wir dabei nicht geplant. Wir werden sehen, wohin uns Bobi führt.
Um 07:00 Uhr verlassen wir das Dock in Volketswil in aller Dunkelheit und Stille. Der Berufsverkehr hält sich zum Glück in Grenzen und so schaffen wir es in Windeseile vorbei an der Brauerei Feldschlösschen, nach Deutschland, über den Rhein und schliesslich nach Frankreich. Von nun an wollen wir die Mautstrassen meiden. Mit unserem Dreiachser ist die Maut in Frankreich extrem teuer und wir haben genügend Zeit. Zudem bekommen wir so auch viel viel mehr von den Weihnachtsdekorationen in Frankreich zu sehen. Zugegeben - es ist auch viel Kitsch mit dabei aber wir, die selber sehr gerne unser Zuhause weihnachtlich schmücken, sind total begeistert von der Leidenschaft, die die Franzosen hier aufbringen. Jedes Dorf ist anders,
überall gibt es Neues zu entdecken, mal bunt und glitzernd, mal natürlich und schlicht - einfach super schön.
Unterwegs machen wir einen kurzen Halt zum Einkaufen. Auch in den Läden sieht man die Weihnachtszeit. Noch mehr als bei uns, sieht man hier vorgefertigte Gerichte, Platten und exklusive Leckereien, die speziell zu den Festtagen angeboten werden.
Bereits um 15:00 Uhr stehen wir in La Chêne auf einem Stellplatz von Camping Car Park. Wir kennen diesen Stellplatz bereits von einer
früheren Reise. Er ist nicht besonders schön aber dafür günstig. Sanistation und Strom sind inklusive. Viel wichtiger ist für uns aber, dass wir von hier einen guten Ausgangspunkt für die morgige Weiterfahrt haben. Auch wir haben unseren Bobi weihnachtlich hergerichtet und machen uns einen gemütlichen ersten WoMo-Abend in diesem Urlaub.
F - Flocques - Noch ist der Körper im Arbeitsmodus gefangen. Dementsprechend früh sind wir wach. Die Nacht war einigermassen ruhig, trotz der vielen LKW's, die vor dem Stellplatz übernachtet haben. Für uns war dieser Platz aber nur ein Zwischenhalt. Wir wollen ja schliesslich an den Atlantik. Nach einem kurzen Frühstück, geht es deshalb für uns schon bald auf die Piste.
Wir brauchen Diesel. Aus einem unerklärlichen Grund, haben wir uns die erstbeste Tankstelle dafür auserkoren, obwohl es deutlich Bobi-tauglichere in der Nähe gegeben hätte. Leider ist hier, für Bobi, alles ziemlich schmal. Daniela schafft es, ohne Treppe aus dem WoMo zu klettern und Bobi mit Diesel zu befüllen. Vorwärts kommen wir mit 9 Meter Länge hier aber nicht mehr raus. Daniel muss rückwärts wieder von der Zapfsäule wegfahren, macht dies aber sehr gekonnt im Dunkeln.
Ohne Mautstrassen zu befahren, kommen wir ziemlich weit. Nachdem wir aber auf der Umfahrung Paris sind, finden wir keinen anständigen Parkplatz mehr, um mit Wilson Halt zu machen. Deshalb fahren wir
doch ein paar wenige Kilometer auf die Mautstrecke und werden schon bald fündig. Der Wind ist eisig kalt und Wilson will nicht wirklich lange aus dem warmen WoMo. Nachdem wir wieder auf unserer Route sind, wird das Wetter immer sonniger. Die 4 Grad Aussentemperatur fühlen sich aber deutlich kälter an.
Kurz bevor wir an unserem Ziel ankommen, sehen wir ganz kurz den Atlantik. Wir haben es geschafft und sind am Meer. In Flocques schnappen wir uns einen der vielen freien Parzellen auf dem Camping Car Park-Stellplatz. Bei schönstem Wetter richten wir uns ein und
unternehmen anschliessend einen langen Spaziergang durchs Dorf und die vielen neuen Einfamilienhausquartiere, die hier entstanden sind. Am Ententeich werden wir sogleich verfolgt. Die Erpel steigen aus dem Wasser und wollen uns hinterher, obwohl wir Wilson dabei haben. Ein Hund in einem eingezäunten Garten findet es gar nicht lässig, dass wir ihn nicht beachten. Friedlich gehen wir am Zaun vorbei, doch kurz bevor wir ums Eck sind, beginnt er uns hinterher zu rennen und uns anzubellen. Wir sind nicht wirklich beeindruckt.
Zurück im WoMo erleben wir einen fantastischen Sonnenuntergang und ein Abendrot, fast so schön, wie jeweils in Dietingen. Die kalte Biese vom Meer her will aber nicht nachlassen. Im WoMo ist es zum Glück kuschelig war und so gibt es für uns einen gemütlichen Heiligen Abend im Bobi.
Frohe Weihnachten aus Frankreich wünschen wir allen, die unseren Blog lesen!
F - Saint-Germain-sur-Ay - So viele Stunden an einem Stück haben wir wohl schon lange nicht mehr geschlafen. Wir sind ja richtig kleine Faultiere. Ebenso gemütlich starten wir in den Tag, mit viel Zeit und einem ausgedehnten Frühstück. Draussen windet es heftig. Es ist kalt aber bei Sonnenaufgang merken wir, dass wir wohl einen schönen Tag bekommen werden.
Als grobes Tagesziel geben wir einen Punkt oberhalb von Saint-Malo ein. Wir haben einen Stellplatz gesehen, der auch für grosse Fahrzeuge geeignet ist. Das heutige Hauptziel ist allerdings, den Atlantik zu sehen. Dies gelingt uns schon kurz nach der Abfahrt in Flocques. Wir fahren gemütlich Richtung Dieppe und plötzlich liegt das Meer auf der Beifahrerseite. Daniel kurvt mit Bobi durch ein paar schmale Gassen, vorbei an vielen parkierten Auto's und schon bald stehen wir mitten in Dieppe, am Hafen. Die Sonne lacht, der Wind bläst aber die Aussicht ist fantastisch. Die Sonne taucht die Häuser im Hafen in eine goldene Farbe - es ist atemberaubend schön. Wir geniessen diese ruhigen Minuten am Morgen, am Meer, in aller Ruhe.
Den Dieselpreis vom EUR 1.509 ist hier natürlich auch nicht zu verachten. Wir können nicht widerstehen und müssen B0bi's Tank füllen.
Die Weiterfahrt durch die Normandie ist einfach nur schön. Wir sehen wunderschöne Dörfer mit einmaligen Häusern. Die Reetdächer gefallen uns besonders gut, ebenso wie die kleinen Riegelhäuser. Bei vielen Häusern könnte man, mit ein bisschen Pflege, richtige Bijous herrichten. Auch die grossen Herrschaftshäuser, Schlösser und Villen sind richtig toll anzusehen. Normandie und Bretagne sind eben schon
ganz besondere Departements von Frankreich. Ein bisschen Wikingereinfluss bekommt man hier und dort auch zu spüren.
Für die Nacht haben wir einen Stellplatz von Camping Car Park, nahe dem Meer gefunden. Zu Fuss hätten wir ein paar Minuten aber bei unserer Ankunft geht die Sonne bereits unter. Wir richten uns zuerst häuslich ein und der Magen knurrt auch schon verdächtig. Wir haben doch wieder ein paar Fahrstunden zusammengebracht. Wir lassen den Abend ruhig angehen. Das haben wir uns verdient. Morgen ist ja auch noch ein Tag.
F - Grand-Champs - Das war ja mal wieder eine super ruhige Nacht auf unserem Stellplatz. Auf dem Platz war absolute Stille und Dunkelheit. Gestern am späteren Abend haben wir allerdings ein kleines Problem bei Bobi entdeckt, welches Daniel, nach dem Frühstück, zuerst beheben musste. Plötzlich ging unsere Zentralverriegelung nicht mehr. Weder von den beiden Schlüsseln aus noch über den direkten Schalter am Cockpit, konnten wir diese auslösen. Daniel musste unter das Lenkrad kriechen und auf engstem Raum die doofe Sicherung auswechseln. Danach funktionierte alles wieder tiptop!
Direkt nach unserem Start auf die Strasse, durften wir den Strand und das Meer sehen. Gefolgt von einem atemberaubenden Sonnenaufgang mit einem feuerroten Ball am Himmel. Die Sonne begleitete uns eine lange Zeit der ersten Tagesetappe. Leider meist von vorne, direkt durch die Windschutzscheibe strahlend, machte sie uns die Sicht auf die Strasse nicht immer ganz so einfach. So haben wir wohl heute auch den einen oder anderen Fasan am Strassenrand verpasst.
Nach dem Einkauf fuhren wir auf die Autobahn, um ein wenig Wegstrecke gut zu machen, um wieder ans Meer zu gelangen. Wir hatten uns einen Stellplatz in der Bretagne, auf einer Landzunge in Gâvres herausgesucht. Die Fahrt dort hin war traumhaft, die Fahrt durch die schmalen Gassen waren abenteuerlich aber der Stellplatz am Meer verlassen und nicht wirklich ansprechend. Wir versuchten noch zwei weitere Stellplätze in der Nähe. Die Fahrt dorthin war noch schlimmer und die Menschen/Touristen extrem unfreundlich. Als Daniel rasch parkierte, um sich eine Einfahrt in den Stellplatz anzuschauen, wurden wir gleich auf französisch beschimpft, wir sollen die Sehenswürdigkeiten gefälligst zu Fuss anschauen und nicht
faul den Camper dort abstellen. Wir konnten nicht verständlich machen, dass gleich gegenüber der Campingplatz sei. Wir waren einfach die bösen Camper, die Hassfiguren. In dem Augenblick, ging bei Daniela der Rollladen hinunter. Sie wollte nur noch weg von diesem Ort. Wir nehmen wirklich Rücksicht, wissen, dass wir die Touristen sind, das wir ein grosses Fahrzeug haben und möglichst überall ausweichen und den anderen den Vortritt geben. Wir haben es nun wirklich nicht verdient, so beschimpft zu werden - finden wir jedenfalls.
Wir sind dann einige knappe Stunde weiter auf einen Stellplatz, den wir schon kannten. Leider sind hier nur 4 Parzellen Bobi-tauglich und die letzte davon haben wir bekommen. Wir hoffen nun, dass es morgen wieder etwas WoMo-freundlicher wird in Frankreich.
F - Le Fenouiller - In diesem Urlaub entwickeln wir uns noch zu richtigen Siebenschläfer. Früh ins Bett und dann spät aus den Federn kriechen, ist so gar nicht unsere Art. Eigentlich stehen wir immer vor den Hühnern auf aber wenn es draussen so lange dunkel bleibt, kommen wir eben auch langsamer in die Gänge.
Nach dem Frühstück müssen wir zuerst kurz an die Sani. Daniel muss mit Bobi rückwärts auf die Platte fahren. Oma im Teilintegrierten begreift nicht, dass wir rückwärts nicht durch die Schranke beim Ausgang kommen, sondern zuerst unser WoMo wieder wenden müssen. Aber sie will ganz schnell auch an die Sanistation. Warum machen es sich alle nur selber schwerer als nötig. Kopf einschalten, kurz auf der Parzelle warten, uns wenden und den Stellplatz verlassen lassen und schon ist alles in Butter. Nö - Omi manövriert lieber ihr WoMo mühevoll rückwärts wieder auf die Parzelle, weil sonst keiner von uns beiden mehr weiter kommt.
Eigentlich haben wir heute eine nicht all zu lange Fahrt geplant. Schwieriger gestaltet sich allerdings der Einkauf. Wir finden fast nur
grosse Einkaufscenter mit WoMo-untauglichen Parkplätzen. Es ist richtig verzwickt. LPT bekommen wir zum Glück bei einem ELeclerc, die Ausfahrt ist allerdings auch so eng, dass Daniel um ein Haar nicht mehr um die schmale Kurve gekommen wäre. Gekonnt ist gekonnt - wir schaffen es zurück auf die Strasse.
Schliesslich werden wir auch fündig und können in einem Hyper U ein paar Fressalien für das Wochenende besorgen, denn im Kühlschrank herrscht schon ganz schön Ebbe. Ebbe ist ein gutes Stichwort - wir wollten ja an den Atlantik. Bei unserem "alten" Dünenparkplatz
brennen wir an. Ohne Vorwarnung stehen wir plötzlich vor Böllern mit der maximalen Durchfahrtsbreite von 2 Metern. Daniel muss erneut zeigen, dass er Bobi im Griff hat und ein riesiges Stück mit ihm zurücksetzen. Lange gibt es keine Wendemöglichkeit. Erst ein paar 100 Meter weiter finden wir die neue Parkmöglichkeit für WoMo's und nutzen die Gelegenheit für einen Strandspaziergang sehr gerne. Bei herrlichem Sonnenschein geniessen wir die Meerluft. Wilson tobt im Sand herum, auch wenn wir beide ihm hier das Alter deutlich anmerken. Früher, mit Olly, war das wilde Herumtoben noch viel anhaltender und ausgiebiger. Trotzdem ist es schön, dem alten Herrn beim Spielen zu zusehen.
Eigentlich könnten wir hier übernachten. Wir wollen aber nicht in völliger Dunkelheit, irgendwo im Nirgendwo hinter einer Düne stehen. Wir entscheiden uns, noch ein paar wenige Kilometer bis Le Fenouiller zu fahren. Hier gibt es einen Camping Car Park, den wir bereits mit Bobi besucht haben. Hier stehen wir gut und können den Rest des Nachmittags und Abends geniessen. Draussen ist es bitterkalt aber wir haben es wieder kuschelig warm.
F - Reugny - Die Nacht in Le Frenouiller war erstaunlich ruhig, vorallem weil der Stellplatz direkt an der Hauptstrasse liegt. Wir waren doch ziemlich zeitig auf den Beinen. Nach dem Frühstück, haben wir zwei Stellplätze weiter im Süden, in unserem Navi erfasst und uns auf den Weg gemacht.
Bei schönstem Sonnenschein, an einem herrlichen Sonntag, ging es über Hauptstrassen und mautfreie Strassen Richtung La Rochelle. Je weiter wir unterwegs waren, merkten wir ein Kribbeln in uns. Die aufgeheizte Stimmung an diesem schönen Tag, machte uns zunehmend Mühe. Auf grossen Strassen wurde das aggressive Fahrverhalten für uns extrem nervenaufreibend. Auf Nebenstrassen fährt man in Frankreich fast nur noch von einer 30er-Zone in die Nächste. Damit das Tempo auch wirklich eingehalten wird, werden hohe Strassenschikanen erstellt, die das WoMo beim Darüberfahren im Schritttempo recht heftig durchschüttelt.
Gegen Mittag waren wir im Austerngebiet, auf dem ersten programmierten Stellplatz. Hier konnten wir die Sanistation nutzen
aber zum Bleiben hat uns der Platz nicht eingeladen. Im Gegenteil. Wir haben uns angeschaut und uns wurde klar, wir haben die Nase voll von den mürrischen Franzosen. Wir sind wohl einfach doch Nordlichter. Uns ist die kühle Freundlichkeit im Norden hundert Mal lieber als die hitzköpfige, egoistische Art im Süden. Die Entscheidung, wieder nach Hause zu steuern, fiel daher relativ einfach.
Bereits ein paar Kilometer weiter gerieten wir in eine Situation, auf die wir gut und gerne hätten verzichten können. An einem Kreisel blockierte ein Fahrzeug die Einfahrt in den Kreisel. Der Fahrer stieg, mit Schraubenzieher in der Hand, aus dem Auto und ging schimpfend
und wild gestikulierend zum Auto vor uns. Nach einer längeren und heftigen Debatte, stieg der Hitzkopf wutentbrand wieder ein und raste davon, während die Fahrzeuge hinter uns schon am Hupen waren.
Zurück auf einer wunderschönen Autobahn, wurden wir, mit einem Gewicht von über 3.5 Tonnen, zu Tempo 80 verdonnert und bekamen ein Überholverbot aufgebrummt. Blitzer gibt es in rauen Mengen, also hält man sich tunlichst an das Gebot. Tja, seit unseren ersten Reisen in Frankreich hat sich viel verändert. WoMo, speziell über 3.5 Tonnen, scheinen nicht mehr willkommen zu sein. Das merkt man deutlich auf der Strasse, den Stellplätzen, beim Einkaufen aber auch an dem Verhalten der Menschen.
Bei 10 Grad Aussentemperatur ging es also Richtung Schweiz. Kurz vor unserem Tagesziel änderte das Wetter schlagartig. Innerhalb von ein paar Kilometern wurde es kalt. Die Strassenränder wiesen Frost auf und der Nebel vor uns wurde immer dichter. Die Charolais-Kühe auf den Weiden sahen aus wie Geister zwischen den weiss vereisten Bäumen. Kein Wunder bei plötzlich -1 Grad.
Das Tagesziel in Reugny, ein weiterer Stellplatz von Camping Car Park kennen wir bereits. Die grosszügigen XXL-Parzellen sind perfekt für uns. Von hier aus sollten wir morgen gut zurück in die Schweiz kommen.