TRAUMREISE ANS NORDKAPP (TEIL 2)

13. bis 19. Juni 2016



Larvik - Nach der Ver- und Entsorgung verlassen wir Göteborg auch schon wieder und machen uns auf den Weg nach Norwegen, wo Mami und Papi auf uns warten. Mami hat uns bereits per SMS mitgeteilt, dass der Grenzübertritt nach Norwegen mit Hunden halb so wild sei. Trotzdem sind wir schon gespannt, ob wir wirklich alle nötigen Formalitäten erledigt haben. Die Fahrzeit vergeht in Windeseile. Kurz vor der Grenze kaufen wir rasch noch ein paar Kleinigkeiten ein. Daniel will auch endlich eine, von ihm vielgerühmte schwedische Süssigkeitenwand zeigen. 

 

Ein paar Minuten weiter sehen wir auch schon den norwegischen „roten“ Zoll, wo wir unsere Jungs zeigen sollen. Wir betreten mit Wilson und Olly das Zollgebäude und werden dort auch gleich, als Tierhalter, bevorzugt behandelt. Die Wurmkurbestätigung wird rasch im Heimtierpass kontrolliert und wir werden kurz gefragt, was wir in Norwegen machen. Die ganze „Panikmache“ über die Einreise mit Hunden nach Norwegen ist wirklich übertrieben. 

 

Weiter geht es mit der Fähre von Moss nach Horton. Die kurze 


Überfahrt verbringen wir im Bauch der Fähre. Anschliessend geht es in grossen Schritten Richtung Larvik, wo wir das WoMo von Mami und Papi sofort finden. Ein Traumplätzchen direkt am Meer mit herrlichem Sonnenschein haben wir ergattert. Ab wo sind die Beiden und Svenja. An der Meerpromenade finden wir uns dann schliesslich und geniessen dann ein „Stellplatzschnäpschen“ zusammen und erzählen uns die ersten Reisegeschichten. Ab morgen geht es gemeinsam weiter. 




Rennesoy - Heute starten wir um 8:40 Uhr in Larvik. Die Nacht auf dem Stellplatz am Hafen war für uns nicht ganz so entspannend, auch wenn der Abend in dem Küstenstädtchen wirklich schön war. Unsere norwegischen Nachbarn haben allerdings die lange Sonnenzeit etwas länger zum Feiern genutzt. 

 

Trotzdem gut gelaunt und bei strahlendem Sonnenschein führt unser Weg, jetzt im Zweierkonvoi, nach Grimstad, Kristiansand und Mandal, der südlichste Punkt unserer Norwegenreise. Zwischen Mandal und Flekkefjord fahren wir an herrlichen Seen und Fjorden vorbei. Wir kommen auch gut voran und entscheiden uns deshalb von der E39 auf die 44 zu wechseln, eine hübsche „Küstenstrasse“, wie wir denken. Wir im Jelly voraus, Irma und Erhard im Carado hinter uns her. Die 44 entpuppt sich allerdings schon bald als ausgewachsene Pass-Strasse, mit nur wenig Meersicht. Dies tut aber unserer Begeisterung keinen Abbruch, denn die Landschaft ist schlicht und ergreifend unbeschreiblich schön. Kein Foto, keine Beschreibung kann wiedergeben, was wir sehen. Man muss dies selber erlebt und gesehen haben. 


Von Egersund fahren wir weiter Richtung Stavanger und dann geht es unter das Meer. Es ist ein eigenartiges Gefühl, als wir in den Tunnel einfahren, der uns bis auf 223 Meter unter den Merresspiegel bringt. Den Ohrendruck spüren wir alle deutlich. Fasziniert durchfahren wir auch noch den zweiten Tunnel, der dann nur noch 133 Meter unter dem Meeresspiegel hindurchführt. In Rennesoy, kurz nach Stavanger finden wir unseren heutigen Rastplatz. Keinen eigentlich Stellplatz aber dafür ruhig und total idyllisch direkt am Meer gelegen. Heute Abend werden Kühe und Möven unsere Nachbarn sein. 




Hornindall / Grodas - Pünktlich, wie besprochen, werden um 08:00 Uhr die Motoren des Konvois gestartet. Bereits nach ein paar Minuten Fahrt, geht es auf die erste Fähre, des heutigen Tages. Nach kurzer Überfahrt legen wir in Arsvägen wieder an. Weiter geht es über die E39 an Kärsto, Aksdal und Väg vorbei, immer in Richtung Bergen. Beim Tunnel in Valeväg geht es 260 Meter unter den Meeresspielgel – ein neuer Rekord für uns. Die Insel Stord haben wir rasch durchfahren und sitzen bald auf der nächsten grossen Führe nach Bergen. Endlich können wir auch mal kurz die Aussicht an Deck geniessen, auch wenn Wilson und Olly weder den Fahrtwind, noch die knuddelnden Japaner sehr cool finden. 

 

Verschiedene Fährenfahrten bringen uns Kilometer für Kilometer weiter. Vorbei durch eine unbeschreibliche Landschaft aus Bergen, Flüssen, Meer, Seen, Wasserfällen und an saftig grünen Wiesen. Dies ist erneut ein Tag, den man selber erlebt haben muss. 


Heute etwas später, heisst es noch ein Nachtplätzchen finden. Durch die Ver- und Entsorgung unterwegs, können wir aber übernachten, wo es uns gerade gefällt. Ob uns diese Nacht endlich mal ein Elch besuchen kommt? Wir werden es sehen. 




Steinkjer - Der Elch war es dann doch nicht, der uns am Schlafplatz besuchte, sondern eine ukrainische „Reisegruppe“, die uns doch etwas misstrauisch machte. Wir haben uns entschieden, doch in einem kleinen Dörfchen zu übernachten, anstatt am einsamen See weit ausserhalb.

 

Schon am frühen Morgen werden wir wieder von einer freundlich strahlenden Sonne geweckt. Früher als geplant, machen wir uns wieder auf den Weg. Heute führt uns die E39 weiter Richtung Norden durch wunderschöne Landschaften. Immer mehr ist von den Fjorden zu sehen. Vorbei an Alesund und weiter bis nach Molde, dürfen wir schon zwei Fährenfahrten geniessen. Beim Einchecken sind wir langsam richtige Profis und dies eigentlich nur dank Daniela mit ihrem tollen Englisch.

 

Wir sind richtig stolz auf unseren Jelly, der wie ein „Örgeli“ läuft. Jede noch so steile Steigung, jedes Gefälle nimmt er ohne Probleme. Auf dem Weg nach Trondheim müssen wir eine Brück überqueren, bei derer Steigung es sogar Daniela mulmig in der Magengegend wird.


Jelly jedoch, macht keine Anstalten, dass es ihm zuviel wird.

 

Eigentlich wollten wir Trondheim genauer unter die Lupe nehmen. Als wir in der Stadt ankommen, sind wir aber einstimmig der Meinung, dass dies gar nicht unsere Stadt ist. Schnell zieht es uns wieder weiter. Wir lieben die ruhigen und malerischen Städtchen mit den hübschen Fjorden und Bergen viel mehr. Nach dem Abendessen beschliessen wir sogar, noch ein paar Kilometer mehr unter die Räder zu nehmen und uns auf dem Weg Richtung Polarkreis, welchen wir morgen überqueren werden, einen Schlafplatz zu suchen. 




Polarkreis / Luonosjahka - Gestern wurde es noch spät, bis wir einen Stellplatz gefunden haben. Um 22:00 Uhr kamen wir auf einem neuen Parkplatz von einem entstehenden Holzmuseum in Steinkjer an. Die Abendsonne war wunderschön. Trotzdem waren wir alle schon müde und legten uns bald schlafen. 

 

Heute liessen wir den Tag etwas ruhiger angehen. Zuerst war einmal Jelly-Pflege angesagt, bevor wir uns im Konvoi in Richtung Polarkreis auf den Weg machten. Eine faszinierende Landschaft präsentiert sich uns in ihrer vollen Schönheit. Wildbäche, breite Flüsse, Blumenwiesen und endlose Weiten. Genau die Ruhe, die wir uns so lange erseht haben und die wir dringend gebraucht haben. Mit Mami und Papi gemeinsam zu reisen macht wirklich viel Spass. Wir müssen den beiden auch mal von ganzem Herzen danken, dass sie unser rasantes Tempo ohne Probleme mithalten. Gerne würden wir die Reise etwas ruhiger angehen lassen aber leider haben wir einfach nicht mehr Ferientage und wollen am 21.06.2016 am Nordkapp sein. Ein grosses Danke an euch beiden, dass Ihr mit so viel Freude mit dabei seid. Und ein weiteres Danke an Mami, die zuhause ist und auf unsere


samtpfötigen Monster aufpasst. Auch ohne Dich, wäre diese Reise nicht möglich.

 

Um 17:00 Uhr haben wir unser erstes grosses Etappenziel unserer Traumreise erreicht. Wir stehen am Polarkreis, wir überschreiten den Polarkreis. Dies ist ein ganz besonderer Punkt in unserem Leben und zugegeben sind wir wirklich auch gerührt und überglücklich, dies zusammen erleben zu dürfen. Als Beweis für dieses Ereignis bekommen wir unser Polarkreis-Zertifikat.

 

Die Nacht verbringen wir einige Kilometer oberhalb des Polarkreises in einer kargen und doch unglaublich schönen Umgebung. 




Gratangen - Noch lange haben wir gestern die wundervolle Atmosphäre am Polarkreis genossen. Den Verlauf der nicht untergehenden Sonne zu beobachten ist für uns „Südländer“ etwas ganz Besonderes. Man verliert jegliches Zeitgefühl, wenn es um 23:00 Uhr noch taghell ist. 

 

Leider werden heute Morgen zum ersten Mal mit nicht ganz so schönem Wetter begrüsst. Die Wolkendecke hängt tief über dem Polarkreis und wegen dem feinen Sprühregen, wollen Wilson und Olly auch schnell wieder zurück ins WoMo, nach dem Spaziergang. Aber auch wenn alles grau in grau ist, tut dies der Schönheit der Natur keinen Abbruch. Vorbei an wilden Bergbächen und Wasserfällen, geniessen wir jeden Kilometer unserer Reise. 

 

Leider wird das Wetter auch unter Tage nicht besser. Trotzdem kommen wir unserem Ziel rasch näher. Vor Narvik müssen wir unsere Kühlschränke füllen, damit wir auch am Sonntag etwas zu Essen dabei haben. Auch die Wochentage haben wir längst nicht mehr im Griff. Tage, Daten, Zeit … hier oben nehmen wir alles nur noch verschwommen wahr.


Wir hatten uns eigentlich einen Stellplatz in Bjerkvik, direkt am Fjord für unser Nachtlager ausgesucht. Leider verfügt der Platz aber über keine der versprochenen Installationen. Aus diesem Grund fahren wir noch ein paar Minuten weiter nach Gratangen und übernachten dort auf einem Rastplatz mit Blick über das ganze Fjord. Die Schönheit der Landschaft kommt allerdings nicht richtig zur Geltung, da es noch immer regnet. 




Langfjodveien - Um 8:30 Uhr machen wir uns, nach einer erholsamen Nacht, wieder auf den Weg. Wir müssen dringend Ausschau nach einer Ver- und Entsorgungsstation halten, denn hier oben werden die Versorgungsmöglichkeiten rarer. Zum Glück finden wir aber schon bald einen Campingplatz, wo alles erledigen können und unser nächstes Zwischenziel Alta, in Angriff nehmen können. 

 

Der heutige Tag führt uns wieder vorbei an unzähligen Fjorden. Die Mittagspause verbringen wir am Meer, trotzdem die dunklen Wolken uns noch immer begleiten. Zum Glück bleibt es aber trocken, sodass Wilson und Olly mit der hiesigen Fauna, ein paar Meeresvögel, Kontakt aufnehmen können. Auf der Weiterfahrt entdecken wir eine echte norwegische Waldkatze und viele nordische Hunde. Was uns aber noch immer fehlt sind die Elche und Rentiere. Dafür sehen wir die ersten wild weidenden Schafe am Strassenrand, von welchen wir schon mit vielen Strassenschildern gewarnt wurden. Dann, nach Gildetun Richtung Badderfjord ist es endlich so weit. Wir sehen unsere ersten zwei Rentiere! Wir freuen uns wie kleine Kinder und können es kaum glauben. Ein paar Kilometer weiter sehen wir sogar


ganze Herden von Rentieren. Viele viele Rentiere mit wunderschöner Fellzeichnung.

 

Wir möchten noch ein Stück näher ans Nordkapp gelangen. So finden wir ca. 300 km vor unserem Ziel einen sehr schön gelegenen Rastplatz mit Direktzugang zum Strand. Ein kleines Paradies für uns alle und ein, besonders von Daniela lange gewünschter Schlafplatz am Meer. Rechts von uns die norwegischen Berge, links das Langfjord und in Fahrtrichtung das Nordkapp. Ja – heute ist wirklich ein Tag voller Überraschungen.